So sehe ich das

 

So sehe ich das

Epigonen des Zeitgeschmacks

Die meisten Künstler und vor allem jene, die sich nur als solche bezeichnen, wissen, was sie dem Zeitgeschmack schuldig sind. Sie produzieren, was das breite Publikum gerne in seinen Ikea-bestückten Wohnungen an die Wand hängt. Denn der Zeitgeschmack prägt die Beurteilung von Kunst. Nur ist er zu diesem Zweck völlig untauglich.

Nun sind Künstler schon immer auf Modewellen geritten, haben sie aus pekuniärem Interesse die unreflektierten Vorlieben des Publikums bedient. Kunst und Kunstrezeption sind stets historisch bedingt, wenn gleich die wesentlichen Qualitätsmerkmale künstlerischer Artefakte a priori gegeben sind. Sie haben sich deshalb von jungsteinzeitlichen Elfenbeinschnitzern über die Höhlenmaler und die Steinbildhauer der Antike bis zur zeitgenössischen Kunst in all ihren Ausprägungen nicht verändert.

Gleichwohl hat jede Zeit ihre Kunst. Im Idealfall ist die Kunst identisch mit ihrer Zeit. So gesehen entspricht die qualitative Beliebigkeit der Gegenwartskunst der Masse an merkwürdigen Ideologien, ökologischen und religiösen Glaubensbekenntnissen, die insgesamt nur den Mangel an reflektierter, kritischer Orientierung ausdrücken. Denn Anti-Aufklärung prägt den globalen Zustand.

Bei allen Zugeständnissen an den zeittypischen Modegeschmack gehörten gewisse handwerkliche Standards indes immer zu den Grundvoraussetzungen selbst für die Herstellung massengeschmackstauglicher Kunstobjekte. Dieser Mindestanspruch ist verlorengegangen. Minderbegabte wie Garnichtskönner müssen nicht befürchten, ihre Defizite oder ihr Unvermögen vorgehalten zu bekommen. Zur Akzeptanz reicht häufig unverfrorene Selbstdarstellung aus. Denn der Zeitgeschmack erschöpft sich in einem völlig amorphen Modernitätsbegriff, dem die Qualitätskriterien abhanden gekommen sind.

Die Aufforderung zur kritischen Rezeption richte ich selbstverständlich ebenso an die Betrachter meiner Bilder.